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Cabo Verde - neun Inseln im Atlantik

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Ilha do Sal

Ilha do Sal - Ausgangspunkt einer jeden Reise auf die Kapverden. Wieso gerade auf dieser wüstenähnlichen Insel in den 30-er Jahren der internationale Airport errichtet wurde ist mir auch heute noch ein Rätsel. Denn die Insel selber hat außer den drei "S" - Sonne, Sand, Strand - nicht viel zu bieten. Dennoch ist Sal die Insel, wo noch am ehesten Ansätze von Massentourismus zu finden sind. Wobei Massentourismus hier heißt, daß in Santa Maria an der Südküste der Insel mittlerweile fünf, sechs größere Hotels und einige Pensionen zu finden sind.

Nun gut, hierher verschlägt es mich also zunächst. Am 07.03. geht mein Flug von Amsterdam-Schipol aus via Gran Canaria nach Sal und hier habe ich nun drei Tage irgendwie rumzubringen, bis mein Anschlußflug am 10. nach Mindelo (São Vicente) geht. Aber so schlimm, wie anfangs von mir befürchtet (Stichwort "Massentourismus") ist es gar nicht - wer erwartet, daß es ballermannmäßig zugeht wird positiv überrascht sein, da sich zumindest bislang noch die Touristenschwemme in Grenzen hält. Allerdings kann ich nur jedem empfehlen, sich vorab eine Unterkunft (TIPP: Residencia alternativa) zu sichern. Denn es gibt nur wenig unangenehmere Dinge, als bei 30° mit 18 kg Gepäck auf dem Rücken durch den Ort zu stapfen auf der Suche nach einer Unterkunft...

Aber ich schaffe es, überstehe die drei Tage gut und so geht es am 10. hoch zum Flughafen, von wo mein Flug mit einer Turboprop-Maschine nach São Vicente am Nachmittag geht.

São Vicente

Landeanflug auf den kleinen Flugplatz von São Vicente nahe San Pedro, ca. 8 km südlich der Stadt Mindelo - eine breite Schlucht in der bergigen und zerklüfteten Insel beherbergt den Flugplatz. Der erste Eindruck ist trist, kein Grün weit und breit, lediglich rotglühende Berge wohin das Auge blickt. Dummerweise lande ich mittels Taxi (mangels Ortskenntnis habe ich mich meist auf deren Hotel-Tipps verlassen) in Mindelo am Aparthotel Avenida. Sicher keine schlechte Wahl, günstig nahe des Hafens gelegen, aber eigentlich nicht gerade preisgünstig. Kaum dem Taxi entstiegen stürmen die ersten Straßenkinder auf mich los. Klasse erster Eindruck, nur durch lautes Rufen lassen sich die Kinder davon abbringen weiter an meinem Gepäck rumzufummeln. Davon etwas angenervt bleibe ich gleich vor Ort und beziehe für knapp 70 DM die Nacht ein Zimmer, was einen ganz netten Ausblick auf den Hafen bietet.

Mindelo - laut Reiseführer die "Kulturhauptstadt" der Kapverden. Mir hat die Stadt gar nicht zugesagt - dreckig, von der großartigen Kneipenkultur weniger als gedacht. Die Heerscharen von Bettlern, Straßenkindern und Prostituierten machen den Eindruck nicht besser. Eine Woche war eingeplant - realtiv schnell wußte ich, daß ich hier keine Woche bleiben will. Für mich vom Ergebis das Gegenteil von Sal: dort hatte ich erwartet, daß es schlecht ist und wurde somit positiv überrascht. Von Mindelo habe ich mir hingegen viel erhofft und wurde enttäuscht. Der Sonntag gab mir dann den Rest: die Stadt wie tot, nur noch die Schattenseiten sind zu sehen (Bettler, Schnorrer, Straßenkinder).

Aber das hat auch sein Gutes (wie sich im weiteren Reiseverlauf rausstellt), denn so beschließe ich ziemlich spontan am nächsten Tag (Montag) nach Santo Antão zu fahren, was ich ursprünglich nicht vorhatte, da es ja schließlich kein Streßurlaub werden soll. Es soll sich später als eine meiner besten Ideen des Urlaubs herausstellen...

Santo Antão

Eines sei vorab gesagt: die Überfahrt mit der Fähre nach Santo Antão ist nichts für jemanden, der schnell seekrank wird. Ich wundere mich anfangs noch, wieso Eimer verteilt werden (TIPP: Man nehme die Fähre "Mar Azul", keinesfalls die "Agua d´Oro"). Der Wellengang auf der 90-minütigen Überfahrt ist nicht von Pappe und die kleine ziemlich gammelig wirkende Fähre wird hin und her geworfen. Selten bin ich so glücklich, wieder an Land zu sein.

Weiter geht es mit einem Aluguer durch das Inselgebirge auf die Nordseite der Insel. Ribiera Grande heißt das kleine Städtchen, das an der gemeinsamen Mündung zweier Flußbetten in den Atlantik liegt. Schnell finde ich dort eine Privatunterkunft (TIPP: Nach dem Drogisten Sr. Marcus fragen, dieser bietet Privatzimmer an). Vier Nächte bin ich dort; Kontakt zu den recht wenigen Touristen - und auch Einhemischen - stellt sich ziemlich schnell ein, wer hier keinen Kontakt findet ist selber schuld. Wandern ist die Beschäftigung, die die meisten hierher führt - und wer nicht des Wanderns wegen gekommen ist wandert eben trotzdem. Die Natur, das imposante Gebirge, Anblicke wie der des Bergdörfchens Fontanhas entschädigen für die Leiden, die das Wandern in der glühenden Hitze auslöst (TIPP: Kopfbedeckung nicht vergessen). Die Menschen durchweg so wie in den Reiseführern beschrieben: offen, freundlich, hilfsbereit, interessiert. Im Gegensatz zu Mindelo oder Sal, wo sich das Verhalten der Menschen schon durch den Tourismus geändert hat.

Tagsüber Wandern oder kleine Ausflüge mit dem Aluguer - abends gemeinsam mit den sich schnell ergebenden Urlaubsbekanntschaften essen gehen (TIPP: das kleine Restaurant neben "Casa de Melo", unbedingt vorbestellen!) und anschließend noch die freundliche Atmospäre in der Catinha da Amizade (wo man auch schon gefrühstückt hat) bei einem kühlen Sagres genießen...

Viel zu schnell vergehen die vier Tage in Ribiera Grande, kaum kennen gelernt heißt es wieder Abschied zu nehmen von Marie und Laurent aus Frankreich, Martin aus Oldenburg, Kaj aus Dänemark, den beiden Münchnerinnen Cecilia und Iris und und und. Noch ein letztes Mal eine halsbrecherische Fahrt mit dem Aluguer durchs Inselgebirge und nochmal die Fährfahrt genießen, wobei ich dieses Mal die "Mar Azul" erwische, die größer ist als das Schiff der Hinfahrt und deswegen wesentlich stabiler liegt. Dort werden auch keine Eimer verteilt...

Santiago

Noch eine Nacht verbringe ich in Mindelo (TIPP: "Chave d´Ouro" niemals unterm Dach absteigen!) und am Samstag morgen geht es dann per Flieger nach Praia auf Santiago. Als Konsequenz aus meinen schlechten Eindrücken von Mindelo und meiner positiven Überraschung von Santo Antão beschließe ich bereits vorher wenn irgend möglich zügig nach Fogo weiter zu kommen.

Eine Belgierin gibt mir im Flieger noch den TIPP in Praia am besten im Hotel "Solatlantico" abzusteigen, das zentral gelegen und günstig sei. Ein guter Tipp, für gerade mal 13 DM die Nacht bezieh ich dort ein Zimmer mit Blick und Balkon auf den zentralen Platz der Hauptstadt - einziger Wermutstropfen sind die Sanitäranlagen zur Gemeinschaftsnutzung. Praia, in Reiseführern als wenig sehenswert beschrieben, ist gar nicht mal so übel. Wobei, wenn irgendwas in meinem Reiseführer stimmt, dann die Aussage, daß das Plateau (Stadtzentrum) abends und am Wochenende ausgestorben ist. Aber kein Problem, wofür gibt es hier Stadtbusse? Einfach reinsetzen, und ab nach Achada do Santo Antonio, wo es wenigstens etwas von Abendleben gibt.

Was allerdings ein Problem für mich wird: den Fahrplan der neuen Schnellfähre in Erfahrung bringen, die seit kurzem täglich zwischen Praia und Fogo verkehrt. Daß es diese Fähre gibt teilte mir noch kurz vor meinem Abflug Frau Schellmann von REISETRÄUME mit, einem auf die Kapverden spezialiserten Reisebüro, bei dem ich via Internet gebucht habe - traumhaft einfach. Also die Fähre... Irgendwie konnte mir keiner sagen, wo ich Infos bekomme. Und so spaziere ich am Montag morgen einfach zum Hafen, wo die Fähre vor Anker liegt - leider weit und breit keine Besatzung. Zufällig erfahre ich jedoch in einem Cafe (TIPP: Cafe Sofia auf dem Plateau - nettes Cafe, Internetzugang, viele Infos) später von einem in Praia lebenden deutschen Geschäftsmann, wo sich das Büro der Reederei befindet. Also dorthin, und nachgefragt - und ich kann mir gleich den Fahrplan mitnehmen. Am Dienstag um 7 Uhr soll es losgehen, die heutige Fahrt fiel eh aus.

Also packe ich abends meine Sachen, kündige mein Zimmer und fahre am Dienstag morgen um halb sieben zum Hafen. Dort warten außer mir noch etwa 30 Kapverdianer auf die Abfahrt. Es wird 7 Uhr, 8 Uhr - nichts passiert. Aber irgendwie macht auch keiner der Mitwartenden Anstalten etwas in Erfahrung zu bringen.Irgendwann fällt mir mein Handy ein, das ich ja eigentlich nur als Wecker und für den Notfall mithabe. Also rufe ich in der Reederei an - wo man mir sagt, daß heute das Boot nicht fährt. Da ich hoffe, daß ich meinen Gesprächspartner einfach nur nicht richtig verstanden habe lasse ich den neben mir stehenden Einheimischen nochmal mit der Bürokraft sprechen. Leider habe ich doch richtig verstanden...

Also wieder nichts - und zurück in die Stadt, zum Glück bekomme ich mein altes Zimmer wieder. Mein Stadtrundgang an diesem Nachmittag führt mich unter anderem in den Stadtteil Fazenda, wo ich zufällig irgendwann vor der Feuerwache stehe. Über die Gastfreundlichkeit und Probleme der Feuerwehrmänner von Praia können Sie in einem anderen Bericht von mir erfahren.

Irgendwann geht dann auch mal mein unfreiwillig verlängerter Aufenthalt in Praia zu Ende und am Mittwoch morgen geht es wider Erwarten um halb acht - also pünktlich für kapverdische Verhältnisse - mit der Schnellfähre "FF Rincon" auf den Weg nach Fogo (TIPP: Das Schiff verkehrt nach wie vor nur sporadisch - rechtzeitig Infos einholen).

Fogo

Fogo - Insel des Vulkans. Bereits auf der Anfahrt an der Südküste der Insel entlang sieht man den imposanten Pico. Wie mit dem Lineal gezogen ragt ein dreieckiger Kegel über der Insel empor.

Als die Fähre im Hafen ankommt liegt noch immer das Frachtschiff am Kai, das angeblich auch daran schuld war, daß am Montag und Dienstag die Fähre ausfiel. Nun gut, an den beiden Tagen war es ein Argument für das Ausfallen der Verbindung, heute stellt es wohl kein Problem mehr dar. Auf jeden Fall kann unsere Fähre nicht am Kai anlegen, weil der Platz dort gerade mal für den Frachter reicht. Also legen wir seitlich an dem Frachter an und werden per Ruderboot an Land gebracht. Nun gut, man sollte sich besser vorher über den Preis für diese Passage von 20 Metern unterhalten statt mit den Passagieren als "Geisel" auf halbem Wege darüber zu diskutieren. Aber auch das überstehe ich.

Und wieder einmal nerven die Taxi- und Aluguerfahrer. Geblendet von einer ziemlich groben Karte und völlig genert ziehe ich es vor, zu Fuß mitsamt Rucksack nach São Fillipe zu gehen. Um es kurz zu machen: Es ist doch ein ganzes End vom Hafen zum Ort. Zum Glück kommt ein Aluguer mit einem deutschen Pärchen vorbei und nimmt mich mit. Bei Senhor Gonzalves, dem Aluguer-Lenker, finde ich dann auch gleich ein Zimmer, direkt neben dem Rathaus (TIPP: Gute und preiswerte Privatunterkunft, entweder nach Sr. Gonzalves fragen oder im Fotoladen neben dem Rathaus). Und dann passiert das, was auf den Kapverden eben passiert - alte Bekannte tauchen wieder auf. Entweder bereist man die Kapverden wohl im Uhrzeigersinn oder dagegen. Und wenn die Inseln in der gleichen Richtung bereist bleibt es nicht aus, daß man sich öfter mal sieht. Auf jeden Fall ziehen am nächsten Morgen Marie und Laurent (die Franzosen aus Ribiera Grande) ins Nebenzimmer ein und der Däne Kaj läuft mir über den Weg... So wie mir in Praia und Mindelo auch gelegentlich Leute begegneten, die ich bereits auf Santo Antão oder Sal kennen lernte. Kapverde ist ein Dorf, verteilt auf neun Inseln im Atlantik.

São Fillipe ist ähnlich wie Ribiera Grande ein kleines beschauliches Städtchen. Einfach durch die Gassen und über die zahlreichen Plätze laufen, die - leider zusehends verfallenden - Gebäude in Kolonialarchitektur ansehen, abends bei Renate und Luigi im "Le Bistro" (TIPP) auf der Terrasse bei einem Bier den Sonnenuntergang über Brava beobachten, anschließend ein Thunfischsteak... Hier läßt es sich leben.

Imposant auch die alten Lavaströme der Eruptionen von 1951, die man auf dem Weg nach Mosteiros immer wieder passiert. Die Insel ist von einer ringförmigen Straße umgeben - leider fehlen jedoch im nördlichen Teil des Rings anderthalb Kilometer, so daß man durch die südliche Inselhälfte fahren muss. Was eigentlich schade ist, da der Norden doch wesentlich grüner ist.
Und überall kleine Vulkankegel, überragt vom Pico und der Caldeira, dem Rest eines urzeitlichen Kraters - aufsteigende Schwefelschwaden zeugen noch immer davon, daß die Erde hier lebt. Ebenso die leichten Beben, bei denen ich anfangs denke vor mir würde gerade ein 40-Tonner herfahren - was natürlich nicht so ist. Den Aufstieg zum Pico verhagelt mir dann leider ein Durchfall, der mich davon abhält mit Kaj und zwei anderen wie geplant zum Pico zu kommen. Statt dessen hüte ich eineinhalb Tage das Bett bevor ich wieder halbwegs fit bin. Aber auch ohne Pico ist die Insel unheimlich spannend und abwechslungsreich - und wenn man einfach nur mit einem Aluguer irgendwo hin fährt.

Allerdings, wie es nunmal so ist im Urlaub, es wird Zeit die Insel wieder zu verlassen. Am Samstag will ich ursprünglich die Schnellfähre nehmen, aber leider bekomme ich am Freitag abend zufällig mit, daß die Fähre am Donnerstag einen schweren Schaden erlitten haben soll und bis auf weiteres nicht mehr fährt. Was nun? Montag nachmittag geht mein Flieger von Praia nach Sal zurück, am Mittwoch ist schließlich der Langstreckenflug zurück nach Amsterdam. Andere Fährverbindungen existieren nur sporadisch und ohne Fahrplan. Doch mit etwas Glück gelingt es mir einen Flug zu bekommen von Fogo nach Praia. Am Montag morgen, so daß ich anschließend nach kurzem Aufenthalt in Praia weiter nach Sal kann. Hauptsache das klappt auch alles...

Und zurück...

Und so heißt es leider Abschied zu nehmen von Fogo, zusammen mit Santo Antão mein persönlicher Favorit der Kapverden. Vielleicht sage ich das aber auch nur, weil ich Brava und São Nicolau (noch) nicht gesehen habe.

Zurück via Praia, wo ich noch mal 4 Stunden Aufenthalt habe - genug für einen Kaffee im Cafe Sofia - und dann schließlich weiter nach Sal, wo ich noch mal 2 Tage Aufenthalt habe. Die von mir auf gut Glück wieder angesteuerte Pension "Residencia alternativa" in Santa Maria ist leider ausgebucht, so dass ich ein Luxushotel beziehen muss. Was zum einen nicht eben billig ist, zum anderen auch einfach nicht mein Ding.
Und so nutze ich den vorletzten Tag für einen Umzug - auf gut Glück fahre ich mit einem Aluguer nach Espargos, wo ich dann auch sofort im Ortszentrum über dem Spar-Markt ein preiswertes Hotel finde. Gut, es liegt direkt in der Einflugschneise des Flughafens. Aber dafür kann ich am nächsten Tag zu Fuss trotz des nicht unerheblichen Gepäcks zum Flughafen gehen - zur allgemeinen Verwunderung aller Taxifahrer der Insel, die sich nur schwer überzeugen lassen, dass es möglich ist die 3 km auch zu Fuss zu gehen.

Und so heißt es Abschied nehmen, Abschied von Cabo Verde. Abschied von einer Inselgruppe und ihren freundlichen und liebenswerten Menschen, von schroffen und kargen wie von grünen und wilden Inseln. Von einer Inselgruppe, die zu Afrika gehört und irgendwie doch ein anderes Afrika ist, als das mir sonst bekannte. Vielleicht eine kleine Mischung aus Afrika, Europa, Südamerika und der Karibik? Oder einfach nur - Cabo Verde?

TIPP: Hier gibt es noch eine Liste mit Internet-Cafes (Stand: 04/2001)