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Rettungsdienst in Namibia

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NAMIBIA  

KLICK: Große Namibia-Karte Fläche (Weltrang: 33.): 824 292 km² ; einschließlich Walvis Bay (Walfischbucht) mit 1124km² und vorgelagerten Inseln 
Einwohner (142.): F 1998 1 662 000 = 2,00 je km² 
Hauptstadt Windhoek (Windhuk) 169000 Einw. (F 1997) 
Amtssprache Englisch, Afrikaans 
Bruttosozialprodukt je Einwohner 1940 $ 
Lebenserwartung 1998: 51 J. 
Säuglingssterblichkeit 1998: 5,70% 
Kindersterblichkeit 1998: 7,40% 
Bevölkerungswachstum Jährl. Bev.-Wachstum 3,00% (Geb.- und Sterbeziffer 1998: 3,60%/1,40%) 
Städte: Windhoek (Windhuk) [Hauptstadt] (F 1997) 169.000 Einw., Walvis Bay (F 1997) 50.000, Oshakati (F 1997) 37.000, Ondangwa (F 1997) 33.000, Rehoboth (F 1997) 21.000, Swakopmund (F 1997) 18.000, Rundu (F 1997) 18.000, Keetmanshoop (F 1997) 16.000, Tsumeb (S 1990) 13.500 

Grundsätzlich ist der Rettungsdienst in Namibia „zweigeteilt“: zum einen gibt es den öffentlichen Rettungsdienst, zum anderen die privaten Rettungsdienste MRI Namibia und AeroMed.
 

DER ÖFFENTLICHE RETTUNGSDIENST

Der öffentliche Rettungsdienst ist über das ganze Land verteilt präsent; außerhalb der Hauptstadt Windhoek ist er meistens den Krankenhäusern angeschlossen. In Windhoek selber gibt es einen recht professionellen Rettungsdienst, der sowohl über Paramedics (welche in Südafrika ausgebildet wurden) wie auch über Ambulanzfahrzeuge europäischer Dimensionen verfügt (Iveco Daily und Toyota HiAce). Außerhalb Windhoeks ist der Rettungsdienst meist an die Kliniken der Gemeinden angeschlossen und verfügt über simpel ausgestattete Ambulanzen auf Basis eines Toyota-Kleinbusses; hier liegt aufgrund schlecht qualifizierten Personals der Schwerpunkt auf dem Prinzip „scoop and run“. Abgesehen von Windhoek erfolgt die Anforderung der Rettungsmittel über die Krankenhäuser.
 

DIE PRIVATEN RETTUNGSDIENSTE

Die privaten Rettungsdienste MRI Namibia – eine Tochter von MRI Südafrika – (MRI = MedRescue Inernational) und AeroMed finden sich vorwiegend in den Zentren der weißen Bevölkerung, so in Windhoek (169.000 Einwohner), Walvis Bay (50.000 EW), Rehoboth (21.000 EW), Swakopmund (18.000 EW), Tsumeb (13.5000 EW) und Otjiwarongo (<10.000 EW). Hier finden sich sowohl Ambulanzen – meist auf Basis eines VW Transporters oder MB Sprinter – wie auch PKW, mit denen Paramedic oder Arzt schnell den Einsatzort erreichen. Herzstück beider Organisationen ist aber sicherlich die Luftrettung, die mit Flächenflugzeugen sowohl sekundär als auch primär durchgeführt wird. Eine auf der Strasse landende Cessna bei einem Verkehrsunfall ist nichts besonderes. Die Kosten für den Einsatz trägt der Geschädigte, sofern er nicht Mitglied dieser Organisationen ist (was die meisten Besserverdienenden sind). Touristen sind oftmals bei der Miete eines Leihwagens automatisch für diesen Zeitraum versichert. Die medizinische Ausstattung der Fahr- und Flugzeuge entspricht weitestgehend europäischem Standard. Die Alarmierung erfolgt über eigene Zentralen oder durch den direkten Anruf des örtlichen Rettungsmittels per Handy.
 

FOTOS VON RETTUNGSFAHRZEUGEN AUS NAMIBIA

MedRescue Namibia, Station Windhoek (am Eros-Airport): Ambulance auf Basis eines Mercedes Sprinter
AeroMed Namibia, Station Otjiwarongo: Eine Ambulance auf Basis eines VW T3 mit Sondersignalen auf dem Weg von einem Verkehrsunfall zu nächstgelegenen Klinik in 40 km Entfernung. An Bord befinden sich 2 Schwerverletzte und ein Leichtverletzter
AeroMed Namibia, Station Otjiwarongo: Die Ambulance vom oberen Bild an ihrem Standort an der Medi-Clinic Otjiwarongo
MedRescue Namibia, fotografiert vor einem Privathaus im Stadtteil Eros: Ein RIV (Rapid-Inervention-Vehicle) auf Basis eines PKW der Kompaktklasse, bei Bedarf fährt der Paramedic von seiner privatwohnung aus zum Einsatzort
MedRescue Namibia, Station Windhoek (am Eros-Airport): Ein PKW mit Sondersignalanlage auf Basis eines VW Golf 1, der unter dem Namen City-Golf nach wie vor als aktuelles Modell bei VW South Africa vom Band rollt

 

PROBLEME DES RETTUNGSDIENSTES IN NAMIBIA

Ein sehr großes Problem des Rettungsdienstes in Namibia sind die riesigen Entfernungen: vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerungsdichte unter 2 Einwohnern pro km² beträgt, liegen nicht selten einige hundert Kilometer zwischen den Ortschaften. Dadurch bedingt kann es durchaus vorkommen, dass eine Ambulanz bei einem der häufigen Verkehrsunfälle einen Anfahrtsweg von über hundert Kilometern hat. So wurde mir glaubhaft von einem Verkehrsunfall inmitten der Namib berichtet, bei dem eine Ambulanz den Unfallort nicht erreichte, weil ihr vorher der Sprit ausging; eine andere musste am Unfallort betankt werden, da sie nach 250 Kilometern Anfahrt nicht mehr genug Sprit für den Rückweg hatte.
 

EINER VON VIELEN EINSÄTZEN

Selber wurde ich Augenzeuge und Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall, der sich im Oktober 1998 auf der B1 ca. 40 Kilometer südlich von Otjiwarongo ereignete: erst nach über 40 Minuten traf für die beiden schwerverletzten Frauen (Touristen aus Deutschland) und ihren leichtverletzten Fahrer eine (!) Ambulanz von AeroMed auf Basis eines VW T3 ein. Die Besatzung bestand aus zwei Krankenschwestern und einem Fahrer; bei der einen Frau wurde die offene Oberarmfraktur mittels eines Brettes geschient, sie erhielt O² und ein Pulsoxymeter wurde angeschlossen; nach Verbinden der übrigen Wunden wurde sie dann auf einem Spineboard in die Ambulanz verladen. Die andere Verletzte mit Verdacht auf Beckenfraktur wurde mittels einer Schaufeltrage, auf der sie verblieb, aufgenommen und abtransportiert. Der Fahrer mit Kopfplatzwunde und Commotio musste mangels weiteren Platzes sitzen. Nach einer Verweildauer am Unfallort von etwa 10 Minuten wurden die Verletzten ohne venösen Zugang oder Analgesie mit ROTlicht ins Krankenhaus nach Otjiwarongo gebracht.
 

WEITERE INFORMATIONEN ZUM RETTUNGSWESEN IM SÜDLICHEN AFRIKA

Homepage von Netcare911, privater RD in RSA

Homepage von B. Heumann: Rettungsdienst im Ausland