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Feuerwehr auf den Kapverden

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Bereits vor der Unabhängigkeit 1975 gab es in der Hauptstadt Praia eine Berufsfeuerwehr, die auch heute noch für den Brandschutz und den Rettungsdienst in der Hauptstadt zuständig ist.

Da die "Bombeiros da Câmara municipal da Praia" allerdings die einzige Feuerwehr auf der größten Insel Santiago sind, erstreckt sich bei Bränden ihr Einsatzgebiet bis in den Norden der Insel ins Tourismusgebiet von Tarrafal - dies bedeutet eine Anfahrt von über 2 Stunden quer über die immerhin 991 km² große Insel. Dabei haben die 33 Männer der Berufsfeuerwehr, die in 3 Schichten zu je 10 Mann arbeiten, schon genug in der Hauptstadt selber zu tun. Dort sind sie nämlich nicht nur für den Brandschutz und die technische Hilfeleistung zuständig, auch der Großteil des Rettungsdienstes in der schätzungsweise 130.000 Einwohner zählenden Stadt liegt in den Händen der Leute um den "Chefe dos Bombeiros" Francisco Maria Sousa.

Übersicht über den Hof der BF Gebäude, in dessen Erdgeschoss die BF Praia untergebracht ist Drei Männer der Wachabteilung im Hof Zwei der Ambulanzen, rechts das TLF Mercedes Der Leiter der BF Praia, Francisco Maria Sousa, in seinem Büro

Zusätzlich erschwert wird ihre umfangreiche Arbeit darüber hinaus durch das hohe Alter der eh schon wenigen und spartanisch ausgestatteten Einsatzfahrzeuge - die Bereitschaftszeit wird so vollends damit genutzt, die Fahrzeuge irgendwie in Schuss zu halten. Ersatzteilmangel sowie mangelnde finanzielle Unterstützung der Stadt lassen die Feuerwehrleute zu wahren Künstlern der Improvisation werden. Da verwundert es auch nicht weiter, dass alle Fahrzeuge der Wehr gespendet sind.

So kamen als Spenden portugiesischer Wehren ein Tanklöschfahrzeug und ein Rettungsfahrzeug nach Paria, das Großtanklöschfahrzeug auf Volvo-Fahrgestell fand den Weg aus Schweden auf die Insel, der amerikanisch angehauchte Rettungswagen ist eine Spende der Cabo Verde Telecom. Und zu guter Letzt sind die beiden KTW auf VW Syncro-Fahrgestell - von denen einer mittlerweile als Ersatzteilspender dient - Spenden aus Deutschland, wo sie im ersten Leben beim ASB im Einsatz waren, wovon noch großflächige Aufkleber an den Fahrzeugen rühren.

Die Fahrzeugliste der Feuerwehr Praia liest sich auch eher wie die Bestandsliste eines Feuerwehrmuseums:

APS 1 Auto pronto socorro Mercedes 5.000 l Wasser Bj. 61
APS 2 Auto pronto socorro Volvo 10.000 l Wasser Bj. 81
AMS 01 Ambulância de socorro VW T3 Bj. ca. 84
AMS 02 Ambulância de socorro Ford Transit Bj. ca. 90
AMS 03 Ambulância de socorro US-Ford Bj. ca. 93

Dabei bleibt eigentlich gar nicht so viel Zeit für die 10 Männer jeder Wachschicht, um die Fahrzeuge in Stand zu halten. Denn über zu wenige Einsätze können sich die Brandschützer nicht beklagen. So werden die beiden Tanklöschfahrzeuge pro Jahr etwa 600 mal tätig, um Feuer zu bekämpfen. Besonderer Einsatzschwerpunkt ist dabei das Frühjahr, wenn es aufgrund der langen Dürre zu schweren Waldbränden im Inselgebirge kommt, zu deren Bekämpfung oftmals mehrere Tage nötig sind. Aber auch ein Feuer in der eng bebauten Altstadt kann ebenso wie in den wild bebauten neueren Stadtgebieten schnell unkontrollierbar werden. Zumal das Wort Hydrant in den meisten Bereichen der Stadt ein Fremdwort ist und somit der Transport großer Mengen an Löschwasser eine unbedingte Notwendigkeit.

Der Kontrast zur Waldbrandsaison findet nur wenig später statt: wenn nämlich im August und September der Großteil des jährlichen Niederschlags innerhalb weniger Tage fällt ist die Feuerwehr im Dauereinsatz, um Strassen und Keller von Wasser und Schlamm zu befreien. Ein weiterer Einsatzschwerpunkt der Feuerwehr Praia sind dazu die vielfältigen technischen Hilfeleistungen, etwa 250 mal im Jahr rückt die Feuerwehr alleine zum Öffnen von Türen aus - einen Schlüsselnotdienst gibt es in Cabo Verde nicht. Dazu kommt dann noch die technische Hilfe bei Verkehrsunfällen, die allerdings schwer geworden ist, seit das dritte TLF letztes Jahr bei einem Verkehrsunfall unreparabel beschädigt wurde - und mit ihm der hydraulische Rettungssatz.

Und dann wäre da auch noch der Rettungsdienst, der auch in Praia zahlenmäßig den größten Teil der Einsätze ausmacht: knapp 1000 mal im Jahr rücken ein Fahrer und zwei Sanitäter der Feuerwehr mit einem der Rettungsfahrzeuge aus, oftmals zu Verkehrsunfällen. Die übrigen Rettungsdiensteinsätze fährt entweder die Ambulanz des Krankenhauses "Agostinho Neto" oder eines der zahllosen Taxis. Das mangelnde medizinische Wissen und die unzureichende Ausstattung der Fahrzeuge, die im wesentlichen aus ein paar Mullbinden, einer Trage und eventuell Sauerstoff besteht, wird dabei in nicht unerheblichem Maße durch das einfühlsame und herzliche Auftreten der Mitarbeiter wett gemacht. Betreuung wird hier noch groß geschrieben und ersetzt nicht selten die invasive Maßnahme, die nicht beherrscht wird.

Das Mercedes-TLF Das Volvo-TLF Der RTW auf US-Ford, die Feuchtigkeit auf dem Boden ist auslaufendes Löschwasser aus dem Mercedes-TLF (Tank durchgerostet) Wachschichtführer Jose Henrique Almada Tavares in der Leitstelle, das rote Telefon ist für die Alarmnummer 131, teilweise verdeckt die Funkgeräte Wachschichtführer Jose Henrique Almada Tavares mit Einsatzmantel und Helm

Die Unterkunft der Berufsfeuerwehr Praia liegt nahe der Innenstadt im Stadtteil Fazenda inmitten eines Wohngebietes. Dort baute die Stadtverwaltung ein Gebäude, in dem die Feuerwehr die untere Etage nutzen kann. In diesem verfügt sie über ein Büro für den Leiter der Feuerwehr, eines für den Schichtführer, einen kleinen Lagerraum, sowie eine kleine Leitstelle, in der auch der Notruf 131 aufläuft. Auf der anderen Seite des Flures befinden sich außerdem ein Schlafsaal, ein Aufenthaltsraum und eine Küche. In einem dahinter liegenden kleinen Innenhof haben sich die Männer darüber hinaus ein kleines Fitnessstudio selber gebaut, wo während der einsatzfreien Zeit fast immer jemand Gewichte stemmt. Die Fahrzeuge stehen im Hof des Gebäudes neben anderen Fahrzeugen der Stadtverwaltung - im Freien versteht sich.

Frust kommt natürlich manchmal auf, wenn der Chef eine seiner ausländischen Feuerwehrzeitschriften liest. Aber sein Traum von einer Drehleiter wird wohl einer bleiben, wennschon es nicht wenige Häuser in der Stadt mit mehr als 5 Stockwerken gibt. Die einzige Möglichkeit für seine Leute besteht dann darin, sich mit der Hakenleiter immer ein Stockwerk weiter vorzuarbeiten. Ebenso berechtigt ist auch der Traum des Wachschichtführers Jose Henrique Almada Tavares, der sich vor allem wünschen würde, dass die Wehr einen kleinen Jeep oder wenigstens ein Geländemotorrad zur Verfügung hat, um sich bei den Waldbränden einen Überblick verschaffen zu können. Auch die Möglichkeit der Hilfeleistung zu Wasser - Praia ist immerhin eine Hafenstadt - ist mangels eines eigenen Bootes nicht möglich.
Dagegen nimmt sich der Wunsch eines der Feuerwehrmänner nach einer akustischen Sondersignalanlage für das schwere Volvo-TLF bescheiden aus; nur nachvollziehbar sind die Probleme sich damit bei einem Alarm durch die Stadt zu bewegen, wenn man in einer dauerhupenden und dauerverstopften Stadt als einzige Möglichkeit die Hupe hat, um auf sich aufmerksam zu machen.
So würden sich die überaus gastfreundlichen Männer von Francisco Maria Sousa auch sehr über eine Partnerschaft mit einer Feuerwehr aus Europa freuen. Und eines ist sicher: eine Fahrzeugspende ist hier in den besten Händen. Selbst das 40 Jahre alte Mercedes-TLF sieht noch immer aus wie aus dem Ei gepellt.

Wenn Sie Interesse an einem Kontakt zu den Bombeiros in Praia haben, schreiben Sie in portugiesisch oder englisch an:

Bombeiros da Câmara Municipal da Praia
Caixa Postal No. 108
Praia
Cabo Verde

Nicht nur in Praia auf der Hauptinsel Santiago gibt es übrigens eine Feuerwehr: In Punta do Sol auf der Insel Santo Antão existiert eine Freiwillige Feuerwehr, deren Einsatzfahrzeuge im Freien nahe des Rathauses stehen. Leider waren jedoch weder von Einwohnern des kleinen Städtchens noch im Rathaus Informationen zu bekommen, wer denn die Fahrzeuge im Ernstfall besetzt. Der dicken Staubschicht auf den Fahrzeugen nach scheinen die Einsatzzahlen eher niedrig zu sein.
Dennoch sollen die Fotos der Fahrzeuge, die allesamt zuvor in Portugal im Dienst standen, nicht vorenthalten werden.
Löschfahrzeug auf Chevrolet, der großflächige Rost ist kaum zu übersehen Löschfahrzeug auf Bedford-Fahrgestell, zuvor im Einsatz bei der Feuerwehr Espinho / Portugal Ehemaliges TLF aus deutschen Katastrophenschutzbeständen, das zunächst noch in Portugal in Dienst stand.

 Hinweis: Dieser Beitrag wurde von mir in ähnlicher Form in der Ausgabe 01/2002 der Feuerwehr-Fachzeitschrift "FFZ" veröffentlicht.